Patientenrechte weiterentwickeln - Patientenberatung stärken
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Am Donnerstag besuchte der Erste Bürgermeister Ole von Beust die Patienten-Initiative im Moorfuhrtweg. Er nahm sich viel Zeit für Gespräche mit betroffenen Patienten, die Behandlungsfehler erlebten und mit erheblichen Folgeschäden leben. Die Betroffenen werden von dem Beratungs-Team der Patienten-Initiative begleitet, zum Teil über viele Jahre. Die rechtlichen Auseinandersetzungen ziehen sich hin und für die Patientinnen und Patienten ist eine verlässliche Unterstützung wichtig. Der Bürgermeister sprach den Mitarbeiterinnen der Patienten-Initiative seine Anerkennung für diese Arbeit aus. Alle Leistungen finanzieren sich nämlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge, die Beratung selbst ist ein kostenfreies Angebot.
Veranstaltung am 22.4.2009 "Patientenrechte - Alles im Lot?"
Mehr Transparenz für Patientenrechte - so lautet das einhellige Fazit der heutigen Podiumsdiskussion "Patientenrechte - Alles im Lot?".
Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung MdB, Helga Kühn-Mengel und weitere namhafte Vertreter des Gesundheitswesens, diskutierten, wie sich die bestehenden Rechte der Patienten in ihrer Umsetzung verbessern lassen. "Die Patientinnen und Patienten sind so zu stärken, dass sie ihre Rechte kennen, verstehen und auch durchsetzen können", so Helga Kühn-Mengel. Deshalb setzt sie sich für ein Patientenrechtegesetz ein: dazu gehört das Recht auf Qualität der ärztlichen Behandlung, Zugang zu verständlicher Information und Aufklärung, Selbstbestimmung, Vertraulichkeit, Dokumentation und eine Verbesserung in Haftungsfragen.
"Patienten müssen die Chance haben, sich Gehör zu verschaffen. In den meisten Fällen und Krankenhäusern funktioniert dies, z.B. über das Beschwerdemanagement, inzwischen sehr gut. Dies ist, gerade in Hamburg, sicherlich auch ein Verdienst der Arbeit der Patienten-Initiative und insbesondere von Frau Hagemann in den letzten 25 Jahren", so Hamburgs Gesundheitssenator Dietrich Wersich in seiner Stellungnahme für die Veranstaltung.
"Aber Streitfälle können immer wieder vorkommen. Dann ist es gut einen unabhängigen Ansprechpartner zu haben, der sich für die Betroffenen einsetzt. Für Krankenhäuser, die sich mehr und mehr als Dienstleister im Gesundheitswesen verstehen, können Beschwerden zudem ein wichtiger Anhaltspunkt sein, um die Qualität zu verbessern "
In diesem Sinne und im Gegensatz zu Kühn-Mengel warnt Dr. Christian Utler, Qualitätsmanagement des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf, vor zu vielen Regelungen, sondern plädiert für eine adäquate Umsetzung der bestehenden Rechte. "Erforderlich sind eine Veränderung der Fehlerkultur und nicht neue Formalismen, denn Papier ist geduldig".
Für Prof. Dr. Dieter Hart, Institut für Gesundheits- und Medizinrecht der Universität Bremen, gehen die aktuellen Patientenrechte nicht weit genug.
Die Diskussionen um Patientenrechte und Patientensicherheit kennzeichnen aus seiner Sicht "nicht nur einen Kulturwandel, sondern einen tiefgreifenden Wandlungsprozess in der Medizin, in den Heilberufen und in den Institutionen der Gesundheitsversorgung."
Wie es im Alltag der Patienten zugeht, weiß Anne Dorothee Speck zu berichten, Juristin bei der Patienten-Initiative e.V. "Patientinnen und Patienten sind zunehmend an einer aktiven Teilnahme am Behandlungsprozess interessiert. Gleichzeitig machen wir in der Beratung die Erfahrung, dass Ihnen ihre Rechte wenig bekannt sind. Ein Gesetz wäre ein großer Schritt in Richtung Klarheit und Rechtssicherheit."
Die Veranstaltung machte deutlich: Wissenslücken müssen dringend geschlossen werden, damit Patienten mit ihren Ärzten gut informiert und auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. "Dafür braucht es unabhängige Beratungsangebote, die verständlich informieren und die Lobby der Patientinnen und Patienten stärken", so dass Schlusswort von Kerstin Hagemann der Patienten-Initiative e.V.